KAMMERCHOR BUCHSGAU

Was die Medien sagen!

Brahms im neu-alten Klanggewand, Hans-Rudolf Binz, Mittelland Zeitung

Oberbuchsiten Buchsgauer Kammerchor konzertierte am Sonntag in der katholischen Kirche.

Das diesjährige Konzert des Buchsgauer Kammerchors unter der Leitung von Andreas Reize in der katholischen Kirche in Oberbuchsiten stand mit dem «Deutschen Requiem» op. 45 im Zeichen von Johannes Brahms (1833-1897). Drei thematisch dazu passende Motetten von Johann Hermann Schein (1586-1630), Heinrich Schütz (1585-1672) und Johann Sebastian Bach (1685-1750) dienten nicht nur der stimmlichen Vorbereitung des Chores, sondern zeigten einige Traditionslinien, in denen das Werk von Brahms steht.

Bei den beiden ersten Werken, «Wie lieblich sind deine Wohnungen» von Schein, und «Die mit Tränen säen» von Schütz sang der Chor quasi a cappella, nur von der Continuo-Gruppe (Bass-Instrumente, Orgelpositiv) gestützt, und konnte so gleich seine Qualitäten demonstrieren: Klangschön, rein, deutlich und stilsicher wurden die sehr expressiven Werke dargeboten. Wenn zum Beispiel bei Schein die Rede vom Vogel und der Schwalbe ist, hörte man gleichsam Vögel in den Bäumen von Ast zu Ast hüpfen, bei Schütz beeindruckt insbesondere der Kontrast zwischen verhaltener, aber intensiver Trauer und freudiger Zuversicht. Die Stilsicherheit zeigte sich darin, dass die Expressivität dieser Werke nicht im Sinne der Romantik, sondern mit den Ausdrucksmitteln des Barock in ergreifender Weise zur Geltung gebracht wurden.

Streicher und Chorklang verschmolzen

Die dritte Motette, «Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn», stammt nicht mit Sicherheit von Bach, ist in ihrer doppelchörigen Anlage aber ebenfalls ein beeindruckendes Werk. Die Begleitung mit Streichern, eine von Bach bei Motettenaufführungen wenn nicht immer, so doch in bestimmten Fällen geübte Praxis, brachte eine neue Klangfarbe ins Spiel; einmal mehr konnte man feststellen, wie schön barocke Streicher mit dem Chorklang verschmelzen.

Eine enorme Umstellung bedeutete dann für den Buchsgauer Kammerchor und das cantus firmus consort (und natürlich auch für den Dirigenten) der Übergang zu Brahms. Dass die Instrumente neu eingestimmt werden mussten (für den höheren Stimmton), war nur das augenfälligste Element dieser Umstellung; es musste nun mit einem ganz anderen Geist und mit anderen Mitteln musiziert werden, bildlich gesprochen ein Umsteigen vom Reitpferd auf die Dampflokomotive.

War der Chor schon bei den Motetten ständig gefordert, so gab es auch bei Brahms keine Schonung, keine Arien zum Ausruhen. Die Solisten (Barbara Locher, Sopran, Marc Olivier Oetterli, Bass) stehen in ihren drei Nummern nicht nur mit dem Orchester, sondern auch mit dem Chor im Dialog. Der Chor hat viele harmonisch schwierige Stellen vom Orchester nur wenig oder gar nicht gestützt zu bewältigen und das über lange Strecken piano oder pianissimo, was sehr gut gelang.

Ausgewogene Klangbalance

Gegen den Schluss schien man aber doch bei einigen exponierten Partien in der Höhe eine leichte Ermüdung festzustellen, was den ausgezeichneten Gesamteindruck jedoch in keiner Weise schmälerte. Wahrscheinlich liegt dieses Werk an der Grenze des für einen Laienchor überhaupt Machbaren, und der Buchsgauer Kammerchor verdient für diese Leistung grosse Anerkennung. Zahlenmässig im Vergleich mit dem Orchester an der unteren Grenze wurde der Chor in einigen Fällen besonders im Tenor etwas verdeckt, aufs Ganze gesehen war jedoch die Klangbalance sehr ausgewogen.

Die Tempi wählte Andreas Reize, gestützt auf die in den Quellen vorgefundenen Metronomangaben, sehr treffend, sie waren wirkungsvoll und überzeugten in jedem Fall. Überaus glücklich war auch sein Entschluss, im Orchester Instrumente in der Bau- und Spielweise der Zeit um 1860 zu verwenden, obwohl das gerade für die Intonation an die Ausführenden bedeutend höhere Anforderungen stellt als das bekannte Spiel mit Dauervibrato, hinter welchem sich kleine Unreinheiten verstecken lassen. Die klaren, durchsichtigen und äusserst farbigen Klänge sind ungewohnt, aber von besonderer Schönheit und auf jeden Fall sehr stimmig, dazu bringen sie die Details plastisch zur Geltung. Die Solisten, die in diesem Werk verhältnismässig wenig zu tun haben, erfreuten stimmlich und interpretatorisch, insbesondere Marc Olivier Oetterli wirkte an manchen Stellen wie ein besorgter oder tröstender Prophet aus dem Alten Testament.

Wirkungsmächtig interpretiert

Vielleicht der Höhepunkt des Werkes war die Nummer 2, «Denn alles Fleisch vergeht wie Gras», mit seinem Weg von der Klage über die Vergänglichkeit des Irdischen zu der Erlösungs-zuversicht fast ein kleines Requiem für sich, packend und wirkungsmächtig interpretiert. Einmal mehr zeigte es sich, dass eine Interpretation mit den Mitteln und im Sinne der Entstehungszeit eines Werkes der Musik neue Facetten abgewinnt und scheinbar Bekanntes neu erleben lässt.

Erfreulich war insbesondre auch, dass der Dirigent nicht nur seine Leute, sondern auch das Publikum im Griff hatte, so dass nach dem Schlussakkord das Werk in den Zuhörenden in der Stille noch ruhig ausklingen konnte, bevor der lang anhaltende, begeisterte und wohlverdiente Beifallssturm losbrach.

Auf hohem Niveau Der Buchsgauer Kammerchor zeigte in der Kirche in Oberbuchsiten eine durchwegs überzeugende Leistung. (Markus Müller)

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Letztes Update: 2006-05-28

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